Unterseeische Vulkankessel tauchen immer wieder in Spielfilmen und Dokus auf, doch vor der Küste von El Hierro kann man eine solche Formation aus nächster Nähe erkunden. Als jüngster Vulkan der Insel hat der Tagoro das Erscheinungsbild und die Unterwasserwelt im unschätzbar wertvollen Meeresschutzgebiet von La Restinga für immer verändert.
Unter der Wasseroberfläche im Mar de Las Calmas, das sich 5 km vor der Südküste von El Hierro erstreckt, verbirgt sich ein eindrucksvoller Beweis dafür, wie aktiv und quicklebendig die dortige Natur ist. Bis vor wenigen Jahren lag der Meeresboden in diesem Gebiet noch in einer Tiefe von 355 Metern, doch heute erhebt sich hier ein Vulkan, dessen Gipfel nur 88 Meter unter der Wasseroberfläche liegt und dessen Krater einen Durchmesser von 127 Metern aufweist.
Kurs auf den Vulkan Tagoro
Der Begriff Tagoro bezeichnete in der Sprache der kanarischen Ureinwohner eine kreisförmige Ansammlung von Steinen und zugleich einen Treffpunkt. Doch bevor man überhaupt zusammenkommen kann, muss zunächst der genaue Platz bekannt sein. Der vormals als Unterwasservulkan von El Hierro bezeichnete Tagoro ist geologisch betrachtet Teil der Provinz der Unterwasserberge der Kanarischen Inseln, die eine Gesamtfläche von über 500.000 Quadratkilometern hat und 16 Tiefseeberge sowie den Archipel selbst umfasst.
Um zum Vulkan Tagoro zu gelangen oder besser gesagt, über ihm im Wasser schweben zu können, muss man sich nach La Restinga – südlichster Punkt der Insel, der Kanaren und Spaniens – begeben. In dem entlegenen Fischerdörfchen ist die Begeisterung fürs Tauchen überall zu spüren. Der kleine schwarze Sandstrand mit Blauer Flagge ermöglicht den Zugang zum Mar de las Calmas, einem Meeresschutzgebiet mit ruhigen Gewässern, das ein atemberaubendes und besonders artenreiches Unterwasserökosystem beherbergt.
Die Entstehungsgeschichte des jungen Vulkans
Aufzeichnungen nennen übereinstimmend den 10. Oktober 2011 als Datum des Beginns der Eruption, doch die Geburt des Vulkans Tagoro kündigte sich bereits einige Tage zuvor durch einen markanten Anstieg der seismischen Aktivität an. Rund 90 Beben waren von der Bevölkerung auf der Insel zu spüren, doch unter Wasser registrierte das Kanarische Institut für Vulkanologie über 11.000 Erschütterungen – ein Meilenstein, da erstmals in Spanien ein vollständiger Eruptionsverlauf durchgehend überwacht werden konnte.
Die Eruptionen und unterseeischen Aktivitäten dauerten bis zum 5. März 2012, und nach 148 ereignisreichen Tagen war der Ausbruch vorüber. Das Ergebnis: ein neuer, 120 Meter hoher Vulkan mit 700 Metern Durchmesser, welcher dem marinen Ökosystem und der Fischerei zunächst einen schweren Schlag versetzte.
Nach Abschluss der eruptiven Phase wurde aus dem Vulkan eine hydrothermale Quelle. Seitdem hat das austretende warme Wasser die Regeneration und Stärkung von 7,5 Quadratkilometern Meeresökosystemen vorangetrieben.
El Hierro: ein Paradies für Taucher
Die jüngste Insel der Kanaren lässt sich am besten im Neoprenanzug erkunden. Der vulkanische Meeresboden rund um El Hierro beheimatet eine faszinierende Unterwasserwelt, die man an Dutzenden von Tauchplätzen für alle Könnensstufen ausgiebig erkunden kann. Aufgrund des kristallklaren Wassers mit Sichtweiten von bis zu über 30 Metern, der ganzjährig angenehmen Temperaturen und dem vorbildlichen Meeresschutz vonseiten der Einheimischen ist die Insel eines der besten Tauchziele weltweit.
